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Terroristen-Spektakel, Teil 5.

 

Die massenmediale IS-Präsenz ist auch im März 2015 tagtäglich, flächendeckend und geradezu penetrant, präsentiert von den Westmedien, die doch gar nichts mit IS-Propaganda zu tun haben wollen. IS wird auch ohne bewusst tieferschürfende Informationen dargeboten wie ein Popstar, mittlerweile lächerlich verkommen innerhalb einer gleichfalls verkommenen Klatschpresse. Auch ohne irgendwelche „Neuigkeiten“ wird IS-Stoff konstruiert, und sei es nur mit Fragestellungen, deren Antworten, sofern es welche geben sollte, niemanden interessiert.

IS in der Dauerschleife ist wie ein Produkt-Placement durch die westlichen Massenmedien. Die permanente Positionierung wirkt wie ein Trichter, welcher auf kaum einsehbare Gehirnwindungen der Konsumenten zielt. Aus Bildern und Worten wird eine Existenz und diese zu einer abstrakten Realität, die von anderen beordert wurde und wird. Übrig bleiben werden in ungebildeten Hirnen einige Begriffe, die vielleicht in einem Supermarktregal gesucht werden, ohne dem Wissen nach dem Grund. Nutella, Iglo, IS und nun auch wieder Al-Kaida. Es ist einfach da, da oben drin, alles andere spielt keine Rolle.

 

Setzen wir den medialen Rückblick fort.

 

Für das den USA äußerst verbundene Blatt „STANDARD“ sitzt ein gewisser Frank Herrmann in Washington, um den Lesern das weiterzureichen, was ihm aufgetragen wird. Nachdem aus den verbündeten ISIL/ISIS/IS per Beschluß eine Terrorgruppe geworden war, stellte Herrmann im vergangenen Herbst bei dieser Gelegenheit ein neues Buch von Henry Kissinger vor, der von ihm als „elder statesman“ und „kühlen Realpolitiker“ bezeichnet wurde. Das ist eine sehr freundliche Werbung für einen sehr freundlich bezeichneten ehemaligen US-Außenminster, der vor allem als Kriegsverbrecher in Erinnerung geblieben ist. Mitverantwortlich für unglaubliche Massenmorde in Asien und Südamerika verkaufte er auch den US-Angriffskrieg gegen den Irak 2003 als eine „Intervention“ zum „Demokratieexport“. Das muss man nicht extra erwähnen, auch Herrmann sieht davon ab.

STANDARD, 10. September 2014

http://derstandard.at/2000005367873/Das-globale-Chaos-und-der-Rat-des-alten-Strategen

 

 

Am darauffolgenden Tag gab es einen Bericht über die Rede des US-Präidenten Obama an die „Nation“, an die auserwählte Nation, wie wir heute genauer wissen. Auch am 12. September 2014 drehte sich in einem Artikel von Herrmann alles um diese Rede des Drohnenkillers, unreflektiert wie gewohnt. Das Datum hat Symbolcharakter, zumindest für die Naiven unter uns: der 11. September.

STANDARD, 11. September 2014:

http://derstandard.at/2000005431656/USA-weiten-Luftangriffe-auf-Syrien-aus-und-wollen-Rebellen-ausbilden

„Die außenpolitische Wende eines Getriebenen.“ STANDARD, 12. September 2015:

http://www.genios.de/presse-archiv/artikel/STA/20140912/die-aussenpolitische-wende-eines-ge/0830840650780680650820680%209520140912194002287250061.html

 

Bereits die Überschrift ist falsch, denn es gibt keine außenpolitische Wende. Die nun zu Terroristen erklärten Personen hinter dem Label ISIS/ISIL/IS bleiben das, was sie vorher schon waren: ein Produkt des angloamerikanischen Überfalls auf den Irak 2003, finanziert durch die GCC-Staaten, vor allem Saudi-Arabien, und im Kern nichts weiter als eine verdeckt operierende Söldnerbande.

 

Die Ankündigung Obamas, die angebliche Bekämpfung dieser Terrorformation auch auf das Territorium Syriens auszuweiten, entspricht der aktuellen Agenda. Da es die Söldner, Banditen und Halsabschneider bislang nicht geschafft haben, den syrischen Staat zum Einsturz zu bringen, ist der offizielle Übergriff auf syrische Gebiet der logische Schritt, um die eigenen Terroristen bei der Stange zu halten. Mit der Option auf mehr in Richtung Damaskus. Von dort wurde diese Ankündigung natürlich als (weitere) Aggression gewertet.

 

Abseits jeglicher Norm für ein friedliches Zusammenleben wurde angekündigt, eine „breite Allianz“ zu schmieden und auf entsprechender Ebene sondiert und verhandelt. Dabei handelte es sich, vom Irak abgesehen, um US-amerikanische Bündnispartner, die bereits in dem verdeckten Krieg gegen Syrien involviert sind. Die Ankündigung zur Aufrüstung der angeblich „gemäßigten Opposition“ bedeutet ohnehin nichts anderes und ist alles andere als neu.

 

Besonders zynisch muss für die Syrer der Plan sein, ausgerechnet in Saudi-Arabien eine (weitere) Söldnertruppe für den Krieg in Syrien aufzubauen, welcher die in den Hintergrund gedrängten „moderaten“ FSA-Terroristen unterstützen soll. Das ist so, als würde Berlin 1942 eine Nazitruppe aufstellen, um moderate ukrainische Faschisten zu unterstützen, deklariert als „Freiheitsbewegung“.

STANDARD, 12. September 2014:

http://derstandard.at/2000005471363/Kerry-will-arabische-Staaten-ins-Boot-holen

 

Kommentare gab es natürlich auch, zum Beispiel von Gudrun Harrer, um beim STANDARD zu bleiben.

http://derstandard.at/2000005468766/Obamas-Spagat

 

Für Harrer ist es vollkommen normal, dass die USA in einem fremden Staat die Opposition unterstützen müssen. Haben sie ja auch überall gemacht, wenn die Regierung ihren Interessen im Weg gestanden ist. Ebenso in Ordnung auch das „Trainieren von Rebellen“ bei den Saudis. Was sollen sie dort trainieren? Das Plakatieren von Protestplakaten oder das Töten? Aber soweit geht Harrer vorsichtshalber nicht. Dafür gerade zu frech, dass von ihr die saudische Diktatur als Sponsor von „Demokratie“ bezeichnet wird, „Paradoxum“ hin oder her. Nach Harrer geht es immer noch um Demokratie, welche endloses Massenmorden irgendwie rechtfertigen soll. Auch nicht schlecht der Hinweis, dass „Assad dank IS obenauf schwimmen“ soll. Was hier aber phantastisch realitätsfern daherkommt, soll noch in ganz besonders abstrusen Behauptungen gipfeln, wie wir zu einem späteren Zeitpunkt sehen werden.

 

Auch Alexandra Förderl-Schmid mochte sich den Kampf gegen die IS anschließen.

http://derstandard.at/2000005530658/Der-Kampf-gegen-IS-beginnt-zu-Hause

„… Zehn arabische Staaten – darunter Saudi-Arabien – sagten unter anderem zu, die Finanzströme der Extremisten und den Zulauf ausländischer Kämpfer zu stoppen…“

 

Das war sehr nett von denen. Vorher haben sie dies offenbar nicht getan.

 

 

Montag
16
März 2015
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